Verbreitungsatlas
Beispiel: Aeshna isoceles (O. F. Müller, 1767) – Keilflecklibelle
Bearbeitungsstand März 2008
Material und Methoden

Mit Ausnahme von Schleswig-Holstein und Hamburg liegen für alle Länder Daten aus aktuellen Kartierungen vor (Tab. 1). Angaben zum Datum, zum Rechts/Hochwert, zur Höhe und zum Entwicklungsstadium wurden jedoch nur für einige Bundesländer mitgeteilt (vgl. Tab. 1). Für Schleswig-Holstein und Hamburg, für die bislang keine Daten vorliegen, wurden Literaturdaten hinzugezogen (BROCK et al. 1997, GLITZ et al. 1989).
Die Darstellung der Verbreitung von Aeshna isoceles erfolgt zum einen als Rasterkarte auf der Basis von Messtischblättern (durchschnittliche Flächengröße ca. 130 km²), zum anderen basiert sie auf der vom BfN (2004) vorgenommenen naturräumlichen Gliederung Deutschlands (Abb. 1). Dabei wird für jeden der 69 Naturräume die jeweilige Rasterfrequenz als prozentualer Anteil der Messtischblätter mit Meldungen zu Aeshna isoceles (ohne zeitliche Differenzierung) angegeben.
Ergebnisse
Verbreitung


Aeshna isoceles wurde aktuell in allen 16 Bundesländern und fast allen Naturräumen nachgewiesen (Abb. 2 und 3). Im Norddeutschen Tiefland trat sie in mehreren Naturräumen in hohen Rasterfrequenzen auf. Verbreitungsschwerpunkte zeichnen sich für die seenreichen Jungpleistozän-Landschaften Nordostdeutschlands (Mecklenburg-Brandenburgische Seenplatte und Rückland, D03 und D04) sowie im Oberlausitzer Heideland (D13) ab (Rasterfrequenz von über 50%). In den Niederungen der Oder (D07) und der Elbe (D09) sowie im Erzgebirgsvorland und Sächsischen Hügelland (D19) liegen aus mehr als 30% der Messtischblätter Fundmeldungen vor. Eine ähnlich hohe Funddichte wurde auch in der Kölner Bucht und im Niederrheinischen Tiefland (D34) erreicht. Die Mehrzahl der Fundmeldungen in diesem Naturraum wurden jedoch seit spätestens 1980 nicht mehr bestätigt (vgl. Abb. 2).
In den meisten naturräumlichen Einheiten der Mittelgebirge wurde Aeshna isoceles selten nachgewiesen und fehlt vor allem in den Höhenlagen, so z. B. im Schwarzwald (D54), im Thüringisch-Fränkischen Mittelgebirge (D48) sowie im Oberpfälzer und Bayerischen Wald (D63). Lediglich in den wärmebegünstigten Gegenden des Pfälzisch- Saarländischen Muschelkalkgebietes (D50) sowie des Oberrheinischen Tieflandes (D53) erreicht die Art Rasterfrequenzen von 30–50%. Im Alpenvorland besitzt Aeshna isoceles im seenreichen Voralpinen Hügel- und Moorland (D66) einen weiteren Schwerpunkt mit einer Rasterfrequenz von mehr als 40%. In den Hochlagen der Voralpen und Alpen fehlt die Art hingegen vollständig.
Phänologie
Die Phänogramme der Art zeigen vor allem für das Norddeutsche Tiefland eine sehr lang gestreckte Schlupfzeit von Anfang Mai bis Mitte August (Abb. 4). Der Höhepunkt lag dabei in der letzten Maidekade. Die Flugzeit erreicht bereits in der ersten Junidekade ihr Maximum und erstreckt sich bis August. In den Mittelgebirgen, dem Alpenvorland und den Alpen beginnt die Flugzeit nach Datenlage zumeist etwas später. Während der Median für die Exuvienfunde in beiden Vergleichsräumen der 03.06. war, lag der Zentralwert für die Imaginesbeobachtungen in den Mittelgebirgen geringfügig später. Hier streuen die Beobachtungen nicht so stark wie im Tiefland und die Schlupf- und Flugzeit erscheinen wesentlich kürzer. Ob dies den tatsächlichen Verhältnissen entspricht oder lediglich auf die geringere Stichprobe zurückzuführen ist, müssen die weiteren Erhebungen zeigen.

Diskussion
Datenlücken für Aeshna isoceles bestehen derzeit vor allem in Teilen ihres Verbreitungs- schwerpunktes in der Norddeutschen Tiefebene. Insbesondere im nordöstlichen Niedersachsen, in Sachsen-Anhalt und im südlichen Brandenburg dürfte die Art wesentlich weiter verbreitet sein als es Abb. 2 und 3 zeigen. Aus Niedersachsen liegen Funde vor allem aus der gut erforschten Umgebung von Bremen vor, diese Vorkommen dürften sich weiter östlich zur Mittleren Elbe fortsetzen. Auch die Siedlungsdichte der Elbtalniederung Sachsen-Anhalts dürfte wesentlich höher sein als in Abb. 3 dokumentiert. Aus Schleswig-Holstein liegen keine aktuellen Daten vor. Hier hat die Art ihren Schwerpunkt vermutlich in der hügeligen Jungmoränenlandschaft im östlichen Teil des Bundeslandes. Aus der Betrachtung der Verbreitung auf Gundlage der naturräumlichen Gliederung ergeben sich wesentliche Vorteile gegenüber einer rein administrativen Darstellung. Die einzelnen Naturräume unterscheiden sich dabei u. a. durch ihre jeweiligen klimatischen, geologischen und hydrologischen Verhältnisse, durch die Vegetation, das Relief sowie das Angebot an Gewässerstrukturen. Hieraus resultiert in vielen Fällen eine unterschiedlich starke Besiedlung der einzelnen Naturräume durch die jeweiligen Libellenarten und -lebensgemeinschaften. Aus der Analyse der Verbreitung der Arten unter diesen naturräumlichen Gesichtspunkten ergeben sich wertvolle Hinweise auf das ökologische Verhalten der Arten. Nicht zuletzt unter den Aspekten der Gefährdung kann eine naturraumbezogene, länderübergreifende Betrachtung außerdem wichtige Hinweise auf das Ausmaß und die Gründe von Bestandsentwicklungen geben. Dabei ermöglichen Rasterfrequenzen und ihre zeitlichen Veränderungen einen Vergleich zwischen verschiedenen Großlandschaften und Naturräumen.
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