Historie - Verbreitungsatlas Libellen

Unter dieser Überschrift sollen in lockerer Abfolge Episoden aus der Forschungsgeschichte über die Libellen vorgestellt werden. Im Rahmen des Projektes der Libellen Deutschlands ist ein Band unter dem Titel „Abriss der Libellenforschung in Deutschland“ geplant. Hier sollen viele der auf dieser Seite vorgestellten Themen beinhaltet sein.

Wir kannten Libellen – doch noch nicht ihre Larven

Thomas Brockhaus

Im Jahr 1634 erschien das Insectorum sive Minimorum Animalium Theatrum: olim ab Edoardo Wottonno. Conrado Gesnero. Thomaqve Pennio. in London. Der Autor, der Engländer Thomas Mouffet (Moffett, Moufet, Muffet, Muffett) [1553-1604] war zu dieser Zeit bereits 30 Jahre tot. Doch auch die im Kleinen Insektentheater vorgestellten Informationen waren von Vorgängern zusammengetragen. Mouffet erhielt von Thomas Penny [1532-1588] Texte und Abbildungen, welche von dem Schweizer Polyhistor Konrad Gesner [1516-1565], sowie den Engländern Edward Wotton [1492-1552] und Penny selbst stammten.
Auf den Seiten 66 bis 68 werden Libellen-Imagines vorgestellt. Ihre Einteilung erfolgt in Libella media, Maxima Libella und Minima. Zu erkennen sind Aeshna (mixta?), drei Libellula depressa-Abbildungen (davon ein frisch geschlüpftes Tier mit noch weichen Flügeln), sowie zwei Calopteryx splendens-Männchen.

Fast ganz zum Schluss des Buches, auf S. 322 finden wir dann noch eine Abbildung einer Großlibellenlarve (Aeshna?). Dieses Kapitel 34 ist überschrieben mit De Pulice five Asello & Scolopendra marinis. Der darauf folgende Text lässt sich wie folgt übersetzen: "Der Floh" oder "Meeresesel" hat Ähnlichkeit mit einer weicheren Seekrabbe, außer dass er bloß mit vier Beinen ausgestattet ist, und er befreit sich durch häufige und weite Sprünge von der Zahl der Füße. "Esel" wird er genannt wegen seinem Sprung, der Floh des Aristoteles: wegen des krummen Rückens wird er "Schweinchen/Ferkelchen" genannt: seine Farbe ist blau/bläulich mit schwarzen Einsprengseln. Die Länge der in Flüssen lebenden Tiere ist die Breite eines Fingers: seine Breite übertrifft nicht die halbe Fingerbreite. Die Abmessung der im Meer lebenden Flöhe die bei Ebbe und im Süßwasser oft gesehen werden, ist größer. Für Jäger und Betrachter (Forscher) erweist er sich als ein wunderbares Beispiel für Beweglichkeit/Schnelligkeit.
Den Meeres-Tausendfüßler sieht man zum einen in grauer Farbe, zum anderen in hochroter/purpurroter Farbe. Dieser ist länger und schlanker, jener kürzer und dicker. Ich habe im Jahre 1578 beide gesehen, im Gebiet von Ostrea. Nein nicht in den Tiefen des Meeres (wie Gessner mutmaßt), sondern einem schlammigen Sumpfgebiet, wo Austern gemästet/gezüchtet werden; sie breiten sich dort aus, vermehren sich und leben dort. Über diese warnte Numenius, den ich hier zitieren möchte, die Fischer:

"Schau deshalb auf dieses, es ist angemessen den törichten/dummen zu divertere den todbringenden und zugleich schauerlichen Tausendfüßler.
Es gibt aber auch (Aristoteles sei mein Zeuge) kleinere Tausendfüßler, die auf festem Land leben, von ihrer Gestalt aber nicht verschieden sind, von denen im Wasser. Von diesen lobt der Arzt Nonus ein in dieser Art vollendetes psylotrum in Kap. 43 in vielfacher Weise, Weihrauch, schwarzer Schweiß, Tausendfüßler: Dieses alles zu einem Brei/Pulver zerreiben soll mit Kalkpulver vermischt werden, und salbe/schmiere zuerst mit den herausgerissenen Haaren die Räume ein."

Es hat den Anschein, dass der erste Teil des Textes dem Bachlohkrebs gilt. Vielleicht hat Mouffet mangels einer anderen Abbildung jene ähnliche einer Libellenlarve (deren Zugehörigkeit zu den entsprechenden Imagines man ja noch nicht kannte) in dieses Kapitel eingefügt.

Quellen:

  • http://galileo.rice.edu/Catalog/NewFiles/moffett.html (18. April 2009)
  • Mouffet, T. (1634): Insectorum sive Minimorum Animalium Theatrum: olim ab Edoardo Wottono. Conrado Gesnero. Thomaqve Pennio. London
  • Wikipedia, the free encyclopedia (18. April 2009)

Ich bedanke mich bei der Universitätsbibliothek Leipzig für die Kopien einiger Seiten aus Mouffets Buch und bei Frau Karin Scheffler sowie Herrn Georg Schrode für die Übersetzung des lateinischen Textes.

Insectorum sive Minimorum Animalium Theatrum

Seiten aus Mouffets Kleinem Insektentheater